Biologen meiden Mathematik in Veröffentlichungen

In der Biologie wird häufig empirische Forschung durchgeführt, die eine solide theoretische Fundierung für die Formulierung von Hypothesen und die Interpretation der Ergebnisse erfordert. Tim Fawcett and Andrew Higginson (Univ. Bristol) veröffentlichten einen Studie, in der sie feststellen, dass in den Teilgebieten Ökologie und Evolution viele Veröffentlichungen erscheinen, die vorwiegend auf anderen empirischen Studien basieren und so wenig Bezug zu den relevanten Theorien des jeweiligen Themas aufweisen. Dies kann zu einem Zusammenbruch der Kommunikation und Problemen im wissenschaftlichen Fortschritt führen.

Die Autoren stellten fest, dass eine hohe Dichte mathematischer Gleichungen zu einer kräftigen Absenkung der Zitierhäufigkeit von Veröffentlichungen führt. Besonders gravierend ist der Einfluss auf die Zitierhäufigkeit in nicht-theoretischen Aufsätzen, die das der jeweiligen Studie zugrunde gelegte Modell nicht detailliert erläutern. In ihnen sinkt die Zitierhäufigkeit für andere Aufsätze um 27% mit jeder zusätzlichen Gleichung pro Textseite, die dort verwendet wird.

Zwar werden mathematisch formulierte Artikel öfters in anderen theoretischen Artikeln zitiert – es besteht jedoch die Gefahr, dass die Verbreitung der Theorien unter größeren Wissenschaftlergruppen behindert wird. Zur Lösung des Problems schlagen die Autoren zwei Wege vor.

Zum einen sollten die Mathematikkenntnisse der Biologen verbessert werden. Das wird jedoch nicht ohne ausführliche Diskussionen über Studienpläne passieren, und es wird lange dauern, bis die Verbesserung sichtbar wird.

Eine schneller wirksame Maßnahme wäre die Anpassung des Publikationsstils. Das kann zum Beispiel durch längere Artikel mit weniger Gleichungen und ausführlicheren Erläuterungen erreicht werden. In den Statistiken der Untersuchung zeigte sich eine weitere Möglichkeit. Texte, die im Hauptteil mit einem Fokus auf breite Verständlichkeit geschrieben wurden und die formale Theorie im Anhang präsentieren, wurden häufiger zitiert als solche mit einer hohen Formeldichte im Hauptteil.

Literatur

Tim W. Fawcett and Andrew D. Higginson. Heavy use of equations impedes communication among biologists. PNAS 2012 ; published ahead of print June 25, 2012, doi:10.1073/pnas.1205259109.

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Kategorien: Biologie, Gesellschaft und Kultur

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