Die Bilanz von Annette Schavan

Politik kann wissenschaftlichen Fortschritt ermöglichen oder verhindern. Annette Schavan hatte ihre Finger lange im Spiel.

Diesmal hat die Wissenschaft durch die Aberkennung des Doktortitels von Annette Schavan in die Politik eingegriffen. Durch die Bekanntgabe des Beschlusses kam die Angelegenheit ins Rollen.

Die Entscheidung des Fakultätsrates der Philosophischen Fakultät konnte angesichts der Faktenlage gar nicht anders ausfallen. Bereits ein kurzer Blick in das Wiki mit den Plagiatsnachweisen bestätigt die sorgfältige Bewertung durch die Universität:

Der Fakultätsrat hat sich […] die Bewertung des Promotionsausschusses zu eigen gemacht, dass in der Dissertation von Frau Schavan in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden sind. Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte. Die Entgegnungen von Frau Schavan konnten dieses Bild nicht entkräften. Daher hat der Fakultätsrat Tatbestand einer vorsätzlichen Täuschung durch Plagiat festgestellt. Diese Entscheidung wurde mit 13 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen gefällt.

Sämtliche Stellungnahmen der Universität sind auf einer Informationsseite suammengefasst worden. Noch am Donnerstag berichtete die Tagesschau „Merkel lässt ihre Ministerin nicht fallen – vorerst“

Die Kanzlerin habe „volles Vertrauen“ in Schavan, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie schätze „ihre Leistung als Ministerin außerordentlich“. Zu einem möglichen Rücktritt der Ministerin blieb eine eindeutige Aussage allerdings aus. Wenn Schavan von ihrer fünftägigen Südafrika-Reise zurückgekehrt sei, „wird Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden“, sagte Seibert. Nach Angaben ihres Ministeriums wird Schavan am Freitag in Berlin zurückerwartet.

Am Sonnabendnachmittag, noch vor der Kaffeezeit, wurde der Öffentlichkeit über das ruhige Gespräch berichtet: Rücktritt der Ministerin. Nun können wir viele Artikel lesen, die eine verheerende Bilanz ziehen. Leider wurden sie erst geschrieben, als die Entscheidungen vollzogen waren. Kritischer Journalismus sieht natürlich anders aus, auch wenn jetzt sachliche Kritik geübt wird.

Die FAZ veröffentlichte am 06.02. einen Bericht von Heike Schmoll „Mit nicht nur heimlichem Hochmut“, am 09.02 Thomas Gutschker „Die Maßstäbe der Wissenschaftsfunktionäre“ und am 10.02. erneut Heike Schmoll „Die Weiterentwicklung der Annette S.“

Neben diesen interessanten und späten Einsichten erscheint mir der inzwischen vielleicht fünf Jahre alte Sketch von Mattias Richling über seine „Bundesministerin für Einbildung und Forsch Sein“ fast schon prophetisch.

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Kategorien: Gesellschaft und Kultur

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