August Kekulé über Ernsthaftigkeit bei wissenschaftlicher Arbeit

August Kekulés Rede auf dem Benzolfest 1890 enthielt auch einen Rückblick auf sein Leben.

Dabei führte er unter anderem aus:

Mit Schnellzügen macht man keine Forschungsreisen und durch das Studium selbst der besten Lehrhücher wird man nicht zum Entdecker. Wer sich damit begniigt, auf wohlangelegten Promenadewegen einen viel besuchten Aussichtspunkt zu besteigen, der kann wohl im seitlichen Gebüsch noch ein vergessenes Blümlein pflücken und, wenn er sich mit Kryptogamen, mit Moosen und Flechten begnügt, sogar eine gefüllte Botanisirtrommel nach Hause bringen; etwas wesentlich Neues wird er nicht finden. Wer sich zum Forscher ausbilden will, muss die Originalwerke der Reisenden studiren; so gründlich, dass er nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen, sondern die selbst da nicht zum Ausdruck gebrachten Gedanken zu errathen vermag. Er muss den Pfaden der Pfadfinder folgen; auf jede Fussspur, auf jeden geknickten Zweig, auf jedes gefallene Blatt muss er achten. Dann wird es ihm ein Leichtes sein, an dem äussersten der früher erreichten Punkte die Stelle zu erspähen, wo der weiter fortschreitende Fuss festen Boden zu finden vermag.

Literatur

Der Bericht ist auch online verfügbar, befindet sich aber trotz abgelaufenem Urheberschutz hinter der Paywall des Wiley-Verlags.

Schultz, G. (1890): Feier der Deutschen Chemischen Gesellschaft zu Ehren August Kekulé’s. Ber. Dtsch. Chem. Ges., 23: 1265–1312. doi:10.1002/cber.189002301204

Bildquelle: Wikipedia

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Kategorien: Chemie

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